Wiese, Sonne scheint

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Orientierung finden, wenn man nicht weiter weiß

Vielleicht kennst du diesen Moment. Du siehst etwas, du hörst etwas, und auf einmal zieht es dir den Boden unter den Füßen weg. Etwas, das sicher war, ist plötzlich nicht mehr sicher. Und du denkst: Vielleicht ist die Welt ja gar nicht so, wie ich dachte, dass sie ist.

Wie ich dachte. Das ist das Wort, um das es hier geht. Denn das meiste davon haben wir gedacht, weil es uns jemand gesagt hat. Aus der Schule, von Autoritäten, von außen. Und ganz wenig davon haben wir selbst gefühlt.

Gerade kommt unglaublich viel gleichzeitig ans Licht. Über die Welt, über Systeme, über Dinge, die wir für ganz normal gehalten haben. Das Tempo ist hoch. Was manche sich über Jahre langsam erarbeitet haben, wird anderen fast über Nacht hingeworfen. Wie ins kalte Wasser geschmissen. Ohne Vorbereitung und ohne Halt.

Schwindel ist keine Schwäche

Was macht das mit einem Menschen? Meistens eins von drei Dingen: Angst, Wut oder Verwirrung. Und irgendwann kommt der Punkt, an dem du ganz ehrlich sagst: „Ich weiß gar nicht mehr, was richtig ist.“

Das ist in Ordnung.

Ich möchte dir dazu etwas sagen, vielleicht entlastet es dich. Dieser Zustand heißt nicht, dass mit dir etwas nicht stimmt. Wenn dir der Boden weggezogen wird, ist Schwindel halt normal, ne? Das ist keine Schwäche. Das ist dein System, das sich gerade neu sortiert.

Es gibt Räume, die davon leben

Trotzdem bleiben ganz viele genau da hängen. In der Angst, in der Wut, in der Verwirrung. Es gibt ganze Räume da draußen, die davon leben. Die dich jeden Tag in Aufregung halten und dir sagen, wer die Guten sind und wer die Bösen.

Ich verstehe diesen Sog, ich kenne ihn. Ich sag dir ganz ehrlich, ich war selbst mittendrin. Ich bin da über Jahre durchgegangen, bin tief in Themen hinein getaucht, und mir ist einiges bewusst geworden, was ich vorher nicht sehen konnte.

Dabei habe ich etwas gelernt, das heute die Grundlage meiner Arbeit ist.

Energie folgt der Aufmerksamkeit

Ja, ich weiß, alte Suppe. Aber es ist wirklich so, weil es wirkt. Worauf ich meinen Fokus lege, das wird in mir größer. Wenn ich mich Tag und Nacht mit dem beschäftige, was dunkel und bedrohlich ist, dann bin ich irgendwann selber in einem Feld, in dem ich gar nicht leben will.

Und jetzt pass auf, das ist mir wichtig: nicht, weil die Dinge nicht real wären. Manche Sachen sind, wie sie sind, und es ist wichtig hinzuschauen, damit es uns überhaupt bewusst wird. Es geht nicht darum, wegzugucken und zu sagen, „alles ist schön hier in meinem tollen Feld“. Es geht darum, dass ich mich nicht selbst darin verliere.

Die Frage, die dich zurückholt

Da ist die Bewegung, um die es mir geht. Weg von der Frage, welche Wahrheit da draußen jetzt die richtige ist. Hin zu einer anderen Frage: Wie bleibe ich dabei bei mir?

Das spricht kaum jemand an. Du musst nicht jede Wahrheit sofort einordnen, um wieder stehen zu können. Du musst nicht das ganze Bild verstehen, bevor du atmen darfst. Du darfst zuerst wieder Boden unter die Füße kriegen. Und von diesem Boden aus guckst du dir an, was zu dir gehört und was nicht.

Wir stecken mitten in einer Übergangszeit

Ich glaube, dieses Chaos gehört dazu. Erst fängt es an zu wackeln, dann bebt es, und am Höhepunkt ist das volle Chaos. Man weiß gar nicht mehr, wo hinten und vorne ist. Man kann auch Sturm dazu sagen, im Auge des Sturms wird es dann kurz ruhiger.

Oder noch besser, es ist wie ein Geburtskanal. Da denkst du auch: „Oh Gott, jetzt sterbe ich.“ Nein, du stirbst nicht. Du kommst gerade erst woanders an.

Ich glaube auch nicht, dass wir aus allem aussteigen müssen. Wir können das System gar nicht verlassen, weil das System längst in uns ist. In unseren Mustern, in unserer Härte gegen uns selbst, in unserem Funktionieren. Die Bewegung geht nicht nach draußen gegen irgendwen, sie geht nach innen. Wir kreieren das Neue aus uns heraus.

Orientierung finden, wenn du gerade nicht weiter weißt

Ganz praktisch: Wenn dir das nächste Mal so eine Welle den Boden wegzieht, dann drei Sachen.

Erkenne den Zustand, bevor du auf den Inhalt reagierst. Merk einfach, ich bin gerade in der Angst oder in der Wut oder in der Verwirrung. Das allein zu benennen, macht schon einen kleinen Abstand.

Stell dir eine einzige Frage. Nicht: Ist das jetzt wahr? Sondern: Bringt mich das, womit ich mich gerade beschäftige, näher zu mir oder weiter weg? Dein Körper weiß die Antwort halt schneller als dein Kopf.

Komm zurück in etwas Fühlbares. Deine Füße auf dem Boden. Ein tiefer Atemzug, der bis in den Bauch geht. Ein Blick aus dem Fenster in etwas Lebendiges. Ich weiß, das klingt fast zu einfach für so ein großes Thema, aber genau da fängt es an. Wahrheit kannst du nur halten, wenn du einen Boden hast, auf dem du stehst.

Ich will dir keine Wahrheit verkaufen

Ich bin nicht hier, um dir zu sagen, was du glauben sollst. Davon gibt es schon genug. Ich bin hier, damit du deiner eigenen Wahrheit wieder näher kommst. Ohne Panik, ohne dass du dich für ein Lager entscheiden musst, und ohne dass dich jemand für bekloppt hält, weil du anders fühlst.

Denn keiner ist in deinen Schuhen gelaufen. Jeder hat seine eigene Vorgeschichte. Wir sind individuell.

Und wenn die alten Sicherheiten wegbrechen, ist das ja nicht nur Verlust. Das ist auch die Möglichkeit, endlich wieder selbst zu spüren, was für dich wahr ist. Nicht, weil es eine Autorität sagt, sondern weil du es in dir prüfst.

Ich gebe dir eine Frage mit. Nimm sie mit in die nächsten Tage, du musst sie jetzt nicht beantworten.

Wenn im Außen so viel wackelt: Was in dir trägt eigentlich immer noch?