Es gibt zwei Wege an dieselbe Stelle.
Den einen kennen viele: Du funktionierst, und irgendwann merkst du, da stimmt was nicht. Der andere geht anders herum. Du hast längst hingeguckt, du bist tief drin, und dabei hast du dich selbst verloren.
Zwei völlig verschiedene Wege, und beide landen am selben Punkt. Der Boden fehlt.
Über den zweiten spricht kaum jemand. Darum geht es hier.
Ich habe angefangen, alles zu hinterfragen
Irgendwann kam bei mir der Punkt, an dem ich angefangen habe zu suchen. Und ich habe richtig gesucht. Ich habe alles hinterfragt, wirklich alles. Ich bin in Themen eingetaucht, über die die meisten lieber schweigen.
Und ich habe dabei Wahrheiten gefunden. Und Irrwege. Beides.
Das ist der Teil, den die Suchenden untereinander selten sagen. Es ist nicht so, dass du hinguckst und dann klar siehst. Du findest richtige Dinge und falsche Dinge im selben Stapel, und am Anfang kannst du das nicht auseinanderhalten.
Eine Zeit lang habe ich mich darin fast verloren.
Und das hatte einen Preis
Immer wenn ich dann mal was gesagt habe, und ich habe oft eine andere Sicht auf Dinge, kam dasselbe zurück: „Wie kann man denn so was sagen?“
Und irgendwann war ich für die Leute halt irre oder rechts oder Verschwörungstheoretikerin.
Da habe ich dann erst recht geschwiegen. Jahrelang.
Und das ist die Stelle, um die es mir hier geht. Nicht darum, wer recht hatte. Sondern darum, was das mit einem Menschen macht, wenn er das, was er sieht, mit keinem teilen kann. Du fängst an, dich selbst infrage zu stellen. Nicht deine Inhalte, dich.
„Auf welcher Seite stehst du eigentlich?“
Einmal kam es dann doch raus.
Ich habe damals in einem Wohnprojekt gewohnt, mit vielen anderen zusammen, und die haben mich irgendwann zur Rede gestellt. Alle. Ich saß da, die saßen mir gegenüber, und die Frage war: „Auf welcher Seite stehst du eigentlich?“
Ich war ganz klein mit Hut, weil ich zu der Zeit sowieso keinen Boden mehr hatte und mit keinem einzigen Menschen darüber reden konnte. Dann habe ich sie alle angeguckt und gedacht: Und um was geht’s euch denn?
Und dann habe ich es gesagt.
Mir geht’s um Liebe. Und um Frieden. Ganz einfach.
Das war eine riesige Hürde. Ich hatte so ein Bild im Kopf von einem Model-Contest, wo die Mädels sagen: „Und ich wünsche mir Weltfrieden.“ Aber ich habe es aus dem Herzen gesagt.
Und dann ist etwas passiert, das ich nie vergessen habe. Es wurde ganz still. Keiner hat etwas gesagt. Keiner.
Ich bin danach ausgezogen.
Das beschäftigt mich bis heute. Dass Menschen anders denken als ich, ist völlig okay, damit habe ich gar kein Problem. Aber dieses Schweigen. Das kenne ich ja von mir selbst, jahrelang.
Warum ich niemanden mehr aufwecken will
Aus dieser Zeit habe ich etwas mitgenommen, das heute die Grundlage meiner Arbeit ist. Ich wecke niemanden auf. Das finde ich übergriffig, ehrlich gesagt.
Wer selbst mal auf der anderen Seite dieser Frage gesessen hat, hört auf, Menschen einzuteilen. In Wissende und Nichtwissende, in die Guten und die Bösen. Es gibt genug Räume da draußen, die davon leben.
Ich trage deshalb bewusst keinen Titel. Ich nenne mich nicht Coach, und ich nenne mich auch nicht Heilerin.
Und ich gebe dir auch keine Wahrheit vor. Ich halte einen Spiegel, damit du deiner eigenen näherkommst. Weil keiner in deinen Schuhen gelaufen ist. Jeder hat seine eigene Vorgeschichte. Wir sind alle individuell.
Sich selbst wiederfinden geht über nichts Großes
Was mich zurückgebracht hat, war ehrlich gesagt nichts Großes. Kein Seminar, nach dem alles klar war. Es war der Körper und die Natur und das Fühlen. So banale Sachen. Rausgehen, atmen, merken, dass ich überhaupt Füße habe.
Bodenhalt.
Mich hat dabei keiner an die Hand genommen. Hilfe hatte ich, aber immer auf anderen Wegen. Ich sage nicht, dass das der richtige Weg ist. Es war meiner.
Die alternativen Wege habe ich alle selbst gebraucht. Ich habe sie nicht studiert, ich bin sie gegangen.
Und seitdem weiß ich, dass beides zusammengehört. Hinschauen, ohne sich dabei zu verlieren.
Das ist keine Methode und kein Ablauf. Es ist eine Reihenfolge. Erst wieder Boden, dann gucken. Nicht umgekehrt. Wenn du keinen Boden hast, macht dich jedes Hinschauen kleiner statt klarer, und genau da bin ich jahrelang hängen geblieben.
Und wenn du mich fragst, warum ich das mache: Gerade kommt bei ganz vielen Menschen ganz viel ins Wanken. Und wenn das passiert, dann fallen die erst mal. Wer fällt, der braucht ein Netz. Ich möchte dieses Netz sein.
Ich geb dir eine Frage mit.
Was hast du gesehen, worüber du seitdem schweigst?
